Kunst

The Interview – Perfektes Marketing

Kommentar zum Artikel Cyberkrieg mit Popcorn aus DIE ZEIT Nº 53/2014, 23. Dezember 2014

Sorry, auch auf die Gefahr hin, dass ich falsch liege, aber besser kann man einen Film doch gar nicht vermarkten.
Erst Hackerangriffe, die Interna ans Licht bringen, dann Drohungen, sollte der Film „The Interview“ gezeigt werden, schlimme Aktionen stattfänden, zuletzt die Absage einer Ausstrahlung aus Angst – und alle spielen mit: CIA, Obama etc. – und schliesslich soll er doch gezeigt werden. Eine bessere Vermarktung kann es doch kaum geben. Das Spektakel ist perfekt inszeniert. Vielleicht ist dieser Film auch nur ein Film im Film. Keine Ahnung. Wer weiss, was da noch stimmt?

A most wanted man

An anderer Stelle habe ich mich bereits über das Synchronisieren von Spielfilmen ausgelassen. Aber bei „A most wanted man“ weiss man nicht mehr, wer einem eigentlich mehr leid tun soll. Die amerikanischen (Haupt-) Darsteller oder die europäischen (Neben-) Darsteller, die englischsprechende Deutsche, Deutschtürken oder Deutscharaber spielen. Mir fällt es total schwer den Film zu beurteilen vor diesem Hintergrund. Allerdings gibt es dafür sicher kompetentere Leute. Es hat auch irgendwie etwas skurriles, alle sprechen Englischem Hamburg. Und spätestens beidem Gespräch zwischen Deutschen und Amerikanern hat es dann auch nicht mehr gepasst. Ich bin ja bekanntlich gegen Synchronisation, aber so etwas ist eigentlich noch perverser. Jetzt spiele ich sogar mit dem Gedanken, mir die deutsche Version von dem Film anzugucken. Wie das dann wohl aussieht, wenn die Deutschen sich selbst synchronisieren?

Musique don’t stop

Kraftwerk – Katalog – Burgtheater 16.05. 22:00+17.05. 19:00 Der Beginn von „Die Mensch Maschine“ war. Die rot-weissen, suprematistischen Geometrien im Raum animiert in Kombination mit der Musik war ein sehr starker Eindruck. Leider fand ich während des Konzerts meine persönliche Flashkurve als stetig sinkend, weil die Imposanz abnahm. Zwischenzeitlich hatte ich auch das Gefühl, dass eine Altherrentruppe auf Promotiontour ist um ihre immer neu remastereden Platten weiter an den Mann zu bringen. Bei derartiger Musik ist es auch etwas schwierig den live Faktor nachzuvollziehen. Zugegebenermassen bin ich da sehr gebrandmarkt nachdem ich vor einigen Jahren Grandmaster Flash beiwohnte und dieser leuchtende Apfel mich irgendwie verwirrte und ich das Gefühl nicht loswurde, er hätte eine Kassette eingelegt. Dazu kommt, früher in den 80ern Kraftwerk war die Truppe mehrstimmig und jetzt singt nur noch Ralf Hütter. Ich meine auch eine gewisse Heiserkeit beim zweiten Konzert „Computerwelt“ ausgemacht zu haben.  Soviel zu Thema live. Wenn man Wikipedia glaubt ist der Vierte auch kein Musiker. Der stand auch teilweise etwas unbeteiligt daneben. Warum das Intro/die Begrüssung bei Computerwelt gleich war wie bei „Mensch Maschine“, die sagte „die Mensch Maschine“, habe ich nicht verstanden. War wohl ein technischer äh menschlicher Fehler, also die falsche Kassette eingelegt. Das mit der sinkenden Flashkurve muss ich nach dem zweiten Tag revidieren. Es gab auch immer wieder visuelle Peaks. Aber das ist ja auch Geschmackssache. Beim Konzert „Mensch Maschine“ kamen mir die 3D Effekte teilweise noch etwas flach vor. Die Objekte sind zwar im Raum, aber sie haben selbst keine Tiefe. Es erinnert an  diese Magic Eye Geschichten aus den 1990ern. Am Ende war es ok, „nur“ 2 Konzerte gesehen zu haben, auch wenn sie sich nur im Aufbau und in ca. 2 Songs unterschieden und keine Zugabe beim Frühtermin. Ich bin aber auch froh, die dritte Karte umgetauscht zu haben. Das wäre vermutlich dann irgendwann langweilig geworden. Lieber Das in einer anderen Location anschauen. Ich frage mich, ob bei den Konzerten in den Museen MoMa, Tate Modern und K20 eine Bestuhlung vorhanden war. Irgendwie schon komisch ein Popkonzert in einem Theater sitzend zu schauen. Da kommt auch nur eingeschränkt Stimmung auf. Trotzallem ist immer wieder ist es interessant sich zu vergegenwärtigen, wie aktuell, visionär, avantgardistisch die Musik und die Texte sind. Bei dem Sound können diese ganzen Minimal Typen voll nach Hause gehen. Die haben überhaupt nichts Neues geschaffen und das 30 bis 40 Jahre später. Das zeigt aber auch wie weit der Kraftwerk-Sound vorgegriffen hat. Man muss sich auch immer wieder vergegenwärtigen wann die  Songs entstanden. Autobahn 1974, Radioaktivität 1975, Trans Europa Express 1977 , Computerwelt 1981. Die Ölkrise ist gerade mal ein Jahr her, die grossen Atomgaus sind noch gar nicht passiert, der Text wird immer angepasst bis zur japanischen Fukushima Strophe. Europa grenzenlos war damals noch nicht selbstverständlich. Damals gab es noch richtige Passkontrollen. Etwas schade finde  ich, dass sie die dritte Strophe im Zuge der Kompilationierung von „The Mix“ eingespart haben. Man muss nicht diese penetrante Heimatreferenzierung wie die Toten Hosen bringen.

Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da“ Ohne Worte.

Nie wieder Venedig II – Oops! … I Did It Again

Venedig-1
Venedig-1-2
Diesmal war mein Thema, warum das einzige öffentliche Grün in Venedig, die Giardini – angelegt von Napoleon -, für ein halbes Jahr nicht zugäglich ist. Keine Ahnung, ob es überhaupt jenseits von Biennalen geöffnet ist.
Die halbe Stadt steht leer. Warum gehen nicht alle Nationen in die Stadt in leerstehende Palazzi? Nicht nur die sogenannten kleinen bzw. spätgekommenen Länder. Die übrige Zeit könnten diese Pavillons anderweitig genutzt werden. Ideen kann man bestimmt entwickeln. Schliesslich könnten die Giardini den Venezianern, die es ja angeblich kaum noch gibt, zurückgegeben werden.
Ansonsten stellt sich die Frage, wer eigentlich eine Woche in Venedig bleiben will und es sich leisten kann? Wenn man grosses Interesse hat die Biennale sich insgesamt anzuschauen, benötigt man genauso viel Zeit. Jeweils 2 Tage: 2 für die Giardini, 2 für die Arsenale, und 2 für die Pavillons und Parallelveranstaltungen in der Stadt. Danach hat man die doppelte Schuhgrösse und kann für den Rest des Jahres keine Kunst mehr sehen. Vielleicht ist es auch gewollt. Dann kommt man am Ende doch wieder her…
Ach ja. Noch was. Deutschland und Frankreich haben das Gebäude getauscht. Dadurch ist mir überhaupt erst bewusst geworden, wie ähnlich sich beide Pavillons strukturell sind. Aber sonst. Business as usual. Die beiden Ausstellungen nehmen überhaupt keinen Bezug auf den Gebäudetausch. Fand ich eigentlich schwach.