Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient

Kommentar zu dem ZEIT Artikel von Joachim Riedl „Modell Rot-Blau“

Ohne dem Autor zu nahe treten zu wollen, aber so einen Blödsinn kann sich nur ein Österreicher ausdenken.
Es ist eine Schande, dass in einem europäischen Land mit einer der geringsten Arbeitslosigkeitsraten, vergleichbar wenig Migranten (ausser denen, die vor 100 Jahren aus dem Habsburgerreich kamen) relativ grossem Wohlstand, guten Sozialleistungen und einer Hauptstadt mit der grössten Lebensqualität weltweit mit einer klar ausländerfeindlichen, ausgrenzenden, latent rechtsradikalen Politik zusammenaddiert 30 Prozent der Wählerstimmen vereinigt. Das heisst im Umkehrschluss, dass rechte Positionen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.
Allerdings hat Riedl damit recht, dass Strache in 5-10 Jahren zum Führer, ähem Kanzler, gewählt wird, wenn sich nicht radikal etwas ändert.
Mir hat mal ein Österreicher gesagt, wie es mit dem Geschichtsbewusstsein seiner Landsleute läuft. Sie wären das erste Opfer der Deutschen gewesen. Wenn man sagte, ihr habt aber mitgemacht, hiesse es, ja, aber wir wären ja nicht so schlimmm gewesen. Wenn man dann sagte, neenee, ihr wärt aber auch sehr schlimm gewesen, hiesse es, ach, reden wir nicht mehr davon, ist schon so lange her. Das sagt einfach alles. Österreich hat sich geschickt aus einer Kriegsschuld heraus verhandelt, allen Altnazis Unterschlupf gewährt und tut immer noch so als sei es neutral und die EU gäbe es nicht.

Es ist kein Wunder, dass Strache immer wieder mit Plakaten herumpöbeln kann, die normalerweise als Tatbestand der Volksverhetzung  ein Fall für den Staatsanwalt sind. Es ist einfach unerträglich, wie reaktionslos das immer wieder hingenommen wird, weil es an Unrechtsbewusstsein mangelt, wegen einer katastrophalen Allgemeinbildung der Gesamtbevölkerung . Dazu hat die Regierung Angst, klare Kante zu zeigen. Ohnehin nicht des Österreichers stärkster Charakterzug.

Ein roter Funktionär sagte am Wahlabend, die Braunen nehme niemand Ernst. Achso?

Stattdessen spielt man wie auf der Titanic weiter Musik bis einem das Wasser bis zum Hals steht.

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