Nie wieder Venedig!!!

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Interessant ist wie schnell sich Eindrücke verklären. Sicherlich habe ich den Entschluss, nie mehr nach Venedig zu fahren, schon beim letzten Mal gefasst. Konnte mich aber bei Urlaubsplanung diesmal nicht mehr erinnern, obwohl ich grundsätzlich Bedenken äusserte im Sommer hinzufahren.

Schon bei der Recherche, wo man das Auto mehrere Tage parken könnte, kippte ich hinten über. Garage San Marco, Bestprice, € 30,- pro Tag. Die haben wohl best mit biggest verwechselt. Das waren mal satte 50 Prozent mehr als beim letzten Mal. Und das war auch nicht gerade günstig. Aber es gab zum Glück günstigere Alternativen – dafür zumindest.

Endlich angekommen und voller Tatendrang benötigten wir ein Ticket für das Vaporetto. Ich hatte noch dunkel in Erinnerung, dass eine Fahrt € 1,50 oder so kostete, man ähnlich wie in Paris sich eine Zehnerkarte kaufen kann und damit erst gut über die Runden kommt. Nicht so heutzutage. Innerhalb der letzten fünf Jahre müssen sich die Entscheidungsträger wohl überlegt haben, dass man, solange es noch geht, die Touristen, ohne die Venedig ohnehin schon längs nicht mehr existieren würde, nochmal richtig zur Kasse zu bitten. Und zwar bei allem, was möglich ist.

Es fing damit an, dass wir wie die Hornochsen vor dem Bigliette Automaten standen und, obwohl es so aussah als ob, war es nicht möglich irgendeine Karte zu ziehen. Typisch Italien eben, dachte ich. Eine etwas vorlaute Touristin, gross Französisch und Deutsch parlierend, klärte uns auf. Man müsste sich eine VeniceCard besorgen und die gäbe es nur am Bahnhof und bei San Marco. Toll. Und wir mittendrin auf halber Strecke. Also auf, Richtung San Marco, in der Hoffnung, dass es bei der Station Rialto auch einen Ticketschalter gibt. Unterwegs bin ich noch in einen Tabac gegangen, weil dort konnte man schliesslich früher auch Tickets kaufen. Hier kam endlich der ganze Wahnsinn ans Licht. Eine Einzelfahrt sollte € 6,50 kosten und Tageskarten entsprechend vielmehr. Stand da nicht auf dem Automaten etwas von €1,30 pro Fahrt? Habe bestimmt was falsch verstanden. Der Verkäufer sprach ungefähr soviel Fremdsprache wie ich Italienisch und schaltete deswegen eine andere Kundin ein, die mir erklärte, dass es die VeniceCard nur für Venizianer gibt und Touristen voll draufzahlen müssten. Ich fragte, seit wann das so wäre, sie entgegenete, es änderte sich laufend das System. Aha.

Weiter geht’s. Bei der Rialto Station befindet sich tatsächlich ein Ticketschalter. Dort konnten wir eine Broschüre über die VeniceCard  studieren. Nach langem hin und her und Nachrechnen, ob sich das überhaupt lohnt oder einfach nur totaler Abzug ist, entscheiden wir uns schliesslich die Karte zu nehmen, erfahren aber am Schalter, dass die überhaupt keine Vaporetto Tickets beinhaltet. Also doch so wie die nette Italienerin behauptete. So eine Superscheisse. Das ganze stundenlange geeier für nichts und wieder nichts. Es war zum verrückt werden. Kurzum, wir kauften eine Wochenkarte für € 50,-, entschieden uns also für Superhyperabzug. Nur um auf der sicheren Seite zu sein. Am Ende amortisierte sie sich sogar. Allerdings war nicht feststellbar, ob wir wirklich eine Wochenkarte bekamen. Die drucken es einfach nicht auf die Karte und, und das ist das Beste, niemand hat jemals kontrolliert. Wahrscheinlich ist deswegen der Preis auch viermal so hoch für Touristen, weil sie davon ausgehen, dass die Hälfte eh nicht bezahlt und dann machen sie immer noch Reibach. Verwunderlich ist, dass ich auch im Internet keine wirkliche Aufklärung gefunden habe, was die VeniceCard wirklich leistet und was die Einheimischen zahlen.

Das Bedauerlichste an der ganzen Geschichte ist, dass wir uns an dem Tag in den Giardini einen Teil der Biennale anschauen wollten und wegen der Aktion mindestens zwei Stunden verloren, und deswegen am Ende im Dauerlauf durch die Gärten laufen mussten und trotzdem vieles nicht sehen konnte.

5 zu 60
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Die Gesamtatmosphäre in den Giardini war wie immer sehr entspannt und nett. Liegt natürlich auch daran, dass bei knapp 40 Grad kein normaler Mensch sich Kunst anschaut. Das Ganze versöhnte uns etwas mit dem verhampelten Vormittag. Was ich allerdings überhaupt nicht verstand, warum überall Lampen brannten – tagsüber bei strahlendem Sonnenschein. Klar, das Überthema war Illuminazioni – aber platter geht es wohl nicht?
Richtig gut fand ich die Beiträge von Frankreich, Israel, Russland, den USA und Deutschland, der berechtigter Weise den Goldenen Löwen bekam.

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Anderen Tags sind wir noch durch die Arsenale gegangen und leider auf die Falle „lange Schlange“ hereingefallen. Das war besonders ärgerlich weil das Warten 60 Minuten gedauert hat und die „Begehung“ nur 5 für einen Raum, der unendlich scheinen sollte und die Lichtfarbe kaum merkbarwechselte. Haben dann aber auch gereicht, die 5 Minuten. Deswegen habe ich das magische Dreieck auf dem Toilettenspülkasten nicht verstanden. Der Marklay gehört zu den anderen beiden mit Sicherheit nicht dazu oder besser gesagt die anderen Beiden gehören zum Markley nicht dazu.

Der hat nämlich aus zigtausend Filmschnipseln, die eine Uhrzeit entweder durch Anwesenheit einer Uhr oder durch Nennung im Dialog beinhalten, aneinandergehängt. Mehrere Schnipsel oder Szenen von ca. 5 bis 20 Sekunden mit der selben Zeit liefen synchron zur realen Zeit. Der totale Wahnsinn. Alle möglichen Filme, alte schwarzweiss Schinken bis zu relativ neuen Filmen kamen vor. Manche kannte man, Viele nicht. Der rote Faden war die Zeit. Das ganze Werk war demnach 24 Stunden lang. Die Biennale ist aber nur von 10-18 Uhr geöffnet. Natürlich hatten die nicht soviel Witz, den Film an einem öffentlichen Ort rund um die Uhr abzuspielen. Mich würde vor Allem interessieren, wie sich die Szenen in der Nacht zusammensetzen, ob es da genauso viel Material gibt wie tagsüber. Bzw. Ob es dichte Zeiten gibt, die mi besonders viel Material bestückt sind. Jedenfalls hätte ich die Stunde Warten lieber dort verbracht, als in der Schlange von James Turrel’s nicht wirklich bestem Objekt.

Italienische Wirtschaftkrise/Milchmädchenrechnung
Man muss nur in eines dieser Eurokrisenländer fahren und dort einen Supermarkt besuchen.  In der Nähe unserer Wohnung gab es einen Billa (österreichische Supermarktkette). Da gibt es zwar viele italienische Produkte, aber noch vielmehr importierte Sachen, die vor allem auch kein Mensch dort braucht. Zum Beispiel Eiscreme von Dr. Oetker (Cameo). In Italien importiertes Eis. Kann es sein das die Römer das Eis erfunden haben? Wie verrrückt soll das denn sein?

In diesem Billa gab es eine Aktion für Moretti Bier in 0,33 Liter Dosen für ca. € 1,40. Eh schon sehr teuer für ne Bierdose im Supermarkt. In irgendwelchen Ess-supernepp-Apotheken hat der halbe Liter Bier bis zu 8 (in Worten Acht) Euro gekostet. Gut, da kann man sagen: die Italiener sind keine Biertrinker, die verkaufen Bier nur für die deutschen Touristen. Allerdings habe ich mich dann schon gewundert, dass in einem kleinen echten italienischen Alimentario auf Burano (noch schlimmerer Tourismus als in Venedig) eine 0,33 Liter Dose dänisches Importbier nur einen Euro gekostet hat.

1 Response

  1. mir geht es auch total auf den keks, dass in so touri städten manche dinge nur noch tourizwecken dienen. in wien wien kann man z.b. nicht mehr einen fiaker rufen und sich damit zum ober fahren lassen, oder überhaupt irgendwohin. in venedig sind die gondeln nur noch für touris nicht mehr um von a nach b zu kommen. in rom ist die halbe stadt nicht zugänglich, auch nicht für eingeborene, weil die ganzen antiken trümmer zu nichts mehr zu gebrauchen sind.

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